Bombennacht,
© Stadtkonservator Stadt Köln
Hohestraße 1944,
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Alarm, immer wieder auf Koffern sitzen und auf Abruf schlafen, um, in Straßenkleidung auf dem Bett liegend , von Großmutter, Mutter, oder der großen Schwester aufgeweckt, am Arm gezogen und in den Keller gezerrt zu werden.

Verschüttungen, Verletzungen, selbst erlittene und beobachtete. Die Schreie und das Rufen. Der Feuerschein und die Dunkelheit. Der Geruch und der Staub. Unauslöschbare optische, akustische, sinnliche Erlebnisse. Zerstörung das Donnern der Erde, wenn man in den Bunkern sitzt, die Mauern die zusammensinken, wenn man anschließend durch die Straßen eilt, der Rauch , der Schutt. Das andauernde Gefühl von Angst und existenziellerBedrohung.


Bombardierungen und die Zerstörung der Städte mit all diesen Folgen war eines der wohl einschneidesten, traumatischen Erlebnisse, denen die Menschen und speziell die Kinder der damaligen Zeit ausgesetzt waren.- Übrigens nicht nur in Deutschland.-<


Der Krieg hinterließ in ganz Europa zerstörte Familien und verwüstete Städte, menschliche, urbane und bauliche Ruinen. Die Menschen standen vor einer unermesslichen Bewältigungsaufgabe.
Verluste hatten tiefe Wunden in die Familien geschlagen: Mit dem Erwachen aus der
Katastrophe entsteht das Bewusstsein, dass Plätze leer bleiben und es nie wieder werden kann, wie es war.

Quelle: Wir Kriegskinder, Michael Ermann; München


Wie Kriegskinder ihr Trauma vererben

Kriegskinder leiden unter den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs noch heute weit stärker als bislang angenommen - und sie haben das unverarbeitete Trauma an die nächste Generation weiter gegeben. Dies belegt eine neue, noch unveröffentlichte Studie.


Der Schrecken kehrt zurück

Ermanns Studie ergab, dass Kriegskinder heute weit häufiger unter psychischen Störungen wie Ängsten, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden leiden als der Bevölkerungsdurchschnitt. Rund ein Viertel der von Ermann befragten Kriegskinder zeigte sich stark eingeschränkt in der psychosozialen Lebensqualität, jeder Zehnte war traumatisiert oder hatte deutliche traumatische Beschwerden. "Diese Menschen leiden unter wiederkehrenden, sich aufdrängenden Kriegserinnerungen, unter Angstzuständen, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden", sagt Ermann, besonders häufig tauchten Krämpfe, Herzrasen und chronische Schmerzen auf.

Die wenigsten Kriegskinder führen ihre Leiden allerdings auf ihre Erfahrungen im Krieg zurück. Ihnen schien das Erlebte normal, und sei es auch noch so grauenhaft gewesen. Zwar sei in den meisten Familien über den Krieg gesprochen worden, sagt Ermann, allerdings fast ausschließlich in ritualisierter Form, als Abenteuergeschichte oder witzige Anekdote. Die Kriegskinder fühlten sich fremd im eigenen Leben, haben ihr Schicksal nicht ernstgenommen.

Selbst jene, die als Erwachsene in Psychotherapiesitzungen versuchten, ihre Vergangenheit zu bewältigen, haben die Kriegserlebnisse nicht thematisiert. "Viele haben den Krieg abgespeichert wie Wissen aus dem Geschichtsbuch. Die Gefühle dazu haben sie verdrängt", sagt Ermann.


Inzwischen haben die Kriegskinder ihr unverarbeitetes Trauma an die eigenen Kinder weitergegeben. Die Kriegsenkel, wie Michael Ermann sie nennt, haben die Ängste ihrer Eltern sozusagen geerbt, leiden unter den Verlust- und Mangelerfahrungen, ohne den Krieg selbst erlebt zu haben. Sind etwa die Eltern als Kinder aus der Heimat vertrieben worden, fühlt sich zum Beispiel auch noch die Enkelgeneration heimatlos und entwurzelt.


Der Begriff Vererben kann durchaus auch wörtlich genommen werden. Zuletzt sind Genforscher zunehmend auf Hinweise gestoßen, dass traumatische Erlebnisse auch das Erbgut dauerhaft verändern können.


Quelle: Spiegel Online

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