Über die Opfer des Nationalsozialismus


Am 3. Januar 1996, also mehr als 50 Jahre nach Kriegsende; erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945 durch russische Soldaten, zum »Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus«. »Auschwitz steht symbolhaft für millionenfachen Mord - vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen, so der Bundespräsident.

»Das Allerwichtigste ist, den Jungen den Blick dafür zu schärfen, woran man Rassismus und Totalitarismus in den Anfängen erkennt, denn im Kampf gegen diese Grundübel des 20. Jahrhunderts kommt es vor allem anderen auf rechtzeitige Gegenwehr an, so Roman Herzog zur Begründung dieses Tages. 


An diesem Tag denken wir über Verbrechen nach, die von Angehörigen unseres Volkes und im Namen unseres Volkes begangen worden sind, und wir erinnern uns der Opfer. Es ist aber auch ein Tag, der uns auf politisches Versagen hinweist, mit dem Ziel, dass wir aus der Geschichte lernen, damit nicht erneut Menschen Opfer und zwar unseres Versagens werden.


Auch die Kriegskinder sind Opfer des Nationalsozialismus


Nicht erinnert wurde, von Bundespräsident Roman Herzog, an eine Gruppe von  Millionen unschuldiger Opfer des Nationalsozialismus aus dem eigenen Volk,
den Kriegskindern von damals.
Viele dieser Kriegskinder tragen, bis heute, schwer an dem damals erfahrenen Traumatisierungen.Das Leid dieser Kinder wurde über Jahrzehnte nicht wahrgenommen, bagatellisiert oder totgeschwiegen.

Erst langsam, über 60 Jahre nach Kriegsende beginnen Experten verschiedener Fachrichtungen das ganze Ausmaß der Tragödie der damals rund 14,8 Millionen Kriegskindern wahrzunehmen, zu untersuchen, zu analysieren und aufzuschreiben.

Wie kann das sein?

Margarete und Alexander Mitscherlich, erläutern in dem 1967 im Piper Verlag erschienenen

Buch“Die Unfähigkeit zu trauern, Grundlagen kollektiven Verhaltens, ausführlich

warum bis zu diesem Zeitpunkt (1967) die Epoche des Dritten Reiches nur unzulänglich kritisch durchdrungen wurde und sich vordemokratische Anschauungen (also auch NS-Anschauungen) hartnäckig am Leben erhalten.

Die Mitscherlichs analysierten wie die Bundesdeutschen sich mit den Ereignissen des Dritten Reiches auseinandersetzen und in welcher Form Vergangenheitsbewältigung stattfindet.

Die Generation, die den Nationalsozialismus als Erwachsene erlebt hatten, und als aktive Täter, Dulder, oder Mitläufer, zur Realisierung der unmenschlichen, nationalistischen Ideale beitrugen, wurden befragt. Konnten sie sich mit der Geschichte und der Schuld des eigenen Landes identifizieren, auseinandersetzen und so Verantwortung übernehmen?

Heute wissen wir, es war nicht möglich.
Die Erziehung, die Moral und die vermittelten Werte, die Hitler und den Nationalsozialismus erst möglich machten, standen einer Aufarbeitung dieser Deutschen Katastrophe im Wege.

So fähig die Deutschen im umsetzen der nationalistischen Ideale waren, so unfähigwaren sie um über die vielen Millionen Opfer des Dritten Reiches zu trauern.

Es wurde starrsinnig abgewehrt, geleugnet, verharmlost, verallgemeinert, verdrängt und vergessen.Verdrängt und vergessen wurde auch das millionenfache Leid einer ganzen Generation, die der Kriegskinder von damals. 


An das Leid der Kriegskinder zu erinnern ist das Hauptanliegen dieser Ausstellung.

 KÖLN- FEUER, SCHUTT UND ASCHE
Die Tragödie einer alten Stadt und ihrer Menschen


Gerd Jansen,  im .März 2012

DEUTSCHE KINDERSOLDATEN
©Axis history forum
KÖLNER KRIEGSKINDER
©eifelArt

Die Grundgedanken der Mitscherlich-Studie sind einfach und einleuchtend:


„Ein menschliches Verhalten (wozu auch die Fähigkeit zur Trauer, zur Aufarbeitung von Schuld gehört) kann es nur dort geben, "wo ein Individuum der Einfühlung in ein anderes Individuum fähig ist". Die erste und wichtigste Entscheidung darüber, ob und wieweit ein Mensch solche Fähigkeit erwirbt, fällt in der frühen Kindheit.
"Ein Identitätssprung nach vorwärts kann nur dort gelingen, wo die Ich-Entwicklung vom Anfang des Lebens an gefördert wurde."
„Ein junger Mensch, der nicht ertragen lernte, seine Eltern einigermaßen realitätsgerecht zu beurteilen, wird auch anderen Bereichen der Außenwelt gegenüber blind sein oder sie verzerrt sehen“
Die für unsere moralische und soziale Bewusstseins- und Verhaltensbildung entscheidenden Erlebnisse ereignen sich in der Familie, also in einer Situation, die von den gesellschaftlichen Verhältnissen am wenigsten betroffen ist, und sie stoßen uns in einem Alter zu, in dem Ideologien, Staats- und Wirtschaftsformen kaum eine Rolle spielen.“
Wenn sich also in einer demokratischen, das heißt nicht-autoritär konstruierten Gesellschaft autoritäre Tendenzen bemerkbar machen, ist es ohne Sinn, die Ursachen nur oder hauptsächlich in den Institutionen zu suchen; sie liegen vor allem in den missglückten Lebensläufen der Bürger dieser Demokratie.

Die Demokratisierung der Demokratie ist primär nicht ein politologisches, sondern ein individual-psychologisches und pädagogisches Problem: die Erziehung des Menschen zu einem selbstkritischen und "der Einfühlung in den anderen" fähigen Wesen,
so der Publizist Gerhard Szczesny in seinem Spiegel Beitrag vom Januar 1968.

        webdesign by eifel-online / eifel-art Impressum